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DJ Krush – Kemuri

So viele Platten, so viele schöne Tracks hat der Japaner DJ Krush schon herausgebracht. Wo fängt man da bloß mit dem Erzählen an? Vielleicht ganz am Anfang. Oder kurz danach. Mit seinem Einstand auf dem damaligen englischen Kultlabel „Mo’Wax“ zum Beispiel, der die Katalognummer 024 trug. Unglaubliche 25 Jahre hat die Platte jetzt mittlerweile auch schon auf dem Buckel.

Am Vorabend seines Durchbruchs

Krush hatte seinerzeit bereits sein selbstbetiteltes Debütalbum veröffentlicht, das es allerdings zunächst nur als raren Japan-Import zu kaufen gab, womit er als Produzent hierzulande noch unter der Kategorie Geheimtipp lief. Sein Durchbruch kam dann mit „Strictly Turntablized“, einem reinen Instrumentalalbum voller Dopebeatz (wie man damals zu sagen pflegte), auf das das Motto von „Mo‘ Wax“ wie die Faust aufs Auge passte: „Head Music For Mad Lifted Beat Junkies.“ Abstrakter Hip-Hop wurde das auch genannt, und Krushs dabei zur Schau gestellte Gabe, auch mit scheinbar ganz schnörkellos gestrickten Drum-Loops über Minuten eine geheimnisvolle Spannung hochzuhalten und nie langweilig zu werden, ist fast unerreicht.

Fetter geht’s ja wohl kaum

„Kemuri“ ist dafür ein super Beispiel. Als die Maxi-Single – die sich Krush brüderlich mit Labelkollege DJ Shadow („Lost and Found“) teilen musste – anno 1994 frisch aus dem Promo-Karton ausgepackt erstmals auf meinem Plattenteller lag und das knisternde Schweigen der Einlaufrille unvermittelt durch diesen unglaublich fetten Beat durchbrochen wurde, hatte der mich schon nach den ersten Sekunden voll und ganz gepackt.

Verdammt! Was war das denn? Diese Drums, diese Atmosphäre. Einer der deepsten und zugleich druckvollsten Kopfnickertunes, die der Japaner je gebastelt hat – und eine Eintagsfliege ist aus ihm ja nun wirklich nicht geworden. So ließ er wie gesagt eine ganze Reihe weiterer Alben mit Instrumentaltracks, aber auch mit zahlreichen Songs samt Gastsängerinnen und -vokalisten, folgen.

Cover von Futura 2000

Wie für den Longplayer“Strictly Turntablized“ sowie so viele andere „Mo-Wax“-Veröffentlichungen zeichnete übrigens der New Yorker Graffiti-Künstler Futura 2000 auch für das edle „Kemuri“-Cover verantwortlich. Eine stilvolle Verpackung, eine coole Attitude und Beats, die die Welt bedeuteten – dieses ganze Paket machte das Londoner Label von James Lavelle (UNKLE) zum wirklich großen Ding Mitte der Neunziger. Der „Mo’Wax“-Kram, den ich seinerzeit serienmäßig sammelte, wird einmal meine Altersvorsorge sein, dachte ich lange. Bis ich mal einen Blick auf Discogs wagte, wo einem die einst so verehrten Scheiben heute oft für ein paar lächerliche Kröten nachgeschmissen werden. Ausnahmen wie die „Headz“-Compilations betätigen die Regel. Bin nun ich der Geisterfahrer oder alle anderen? Oder haben die damals nur so unglaublich hohe Stückzahlen gepresst, dass jeder Mad Lifted Beat Junkie ohnehin alle Platten doppelt zu Hause stehen hat? Ach egal. Auch heute immer noch zeitlos gut: „Kemuri“.

  • Faktencheck:
    Titel: „Lost and Found (S.F.L.)“ / „Kemuri“
    Interpreten: DJ Shadow / DJ Krush
    Label: Mo’Wax
    Pressung: 1994
    Bezugsquelle: Promo
    Genre: Instrumental Hip-Hop
    Platz im Plattenregal: zwischen den Mo’Wax-Katalognummern 23 und 25
    Nerd-Faktor: dem Marktwert zufolge: überschaubar
    Angeber-Faktor: leider dito
    Musikalischer Anspruch: deep!
    Anspieltipp: „Kemuri“
    Wert laut discogs.com: mit einem läppischen Zehner ist man dabei, den Repress von 1996 gibt’s noch billiger
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