Fugees - The Score
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Fugees – The Score

„Ready or not, here I come, you can’t hide…” Und wie die Welt anno 1996 bereit war für die Fugees und deren Sängerin Lauryn Hill! „The Score“, das zweite Album des Hip-Hop-Trios nach dessen Debüt „Blunted on Reality“ war eine richtige Hausnummer und stürmte die Charts rund um den Globus. „We used to be number 10, now we permanent on one”, rappte Hills Kollege Wyclef Jean in weiser Voraussicht schon auf der ersten Single-Auskopplung „Fu-Gee-La“. Diesen eingängigen Blockbuster feierte der eingefleischte Homeboy seinerzeit genauso wie die MTV-Guckerin, für die Hip-Hop nicht unbedingt wie Public Enemy und KRS-One oder Gangsta-Rap klingen musste.

Geschmeidige Raps, beseelte Hooklines

Es folgten Schlag auf Schlag die ebenso radiofreundlichen Coverversionen der Klassiker „Killing me Softly“ und „No Woman, No Cry“ sowie dazwischen eben der Über-Hit „Ready or not“ – die Adaption eines alten 1960er-Jahre-Soulstücks, getragen von einem sphärischen Enya-Sample und am Mikro cool performt von Jean, Hill und Pras Michel, dem dritten (Re-)Fugee im Bunde. Doch im Rampenlicht stand insbesondere Lauryn Hill, die neue Prinzessin des Hip-Hop. Sie verzauberte mit ihrer warmen, etwas angerauten, zwischen zart und kämpferisch variierenden Soulstimme und einer charismatischen Kombination aus geschmeidigen Raps und beseelten Hooklines.

Fugees-Schallplatten

If I ruled the World

Während die Fugees als Band alsbald zerbrachen – auf Wyclefs kunterbuntem Solodebüt „The Carnival” (1997) waren aber alle drei noch mit an Bord – zündete Lauryn Hill  dann mit ihrem eigenen Album „The Miseducation of Lauryn Hill“ (1998) schon kurz darauf die nächste Stufe auf der scheinbar unaufhaltsamen Reise in den Pop-Reggae-Soul-R&B-Hip-Hop-Olymp. „Lost Ones“, „Ex-Factor“ oder „Doo-Wop (That Thing)“ hießen die Hits der Scheibe. Es gab Grammys, Kritikerlob im Überschwang, begeisterte Fans und über 19 Millionen Plattenverkäufe. Daneben beteiligte sich Lauryn Hill unter anderem mit dem in andächtiger Manier vorgetragenen „Turn Your Lights Down Low“ (1999) an einem Bob-Marley-Remix-Tribute-Album oder sang schon drei Jahre zuvor im Killerduett mit Rapper Nas „If I ruled the World”.

Lauryn-Hill-Schallplatten

Das große nicht eingelöste Versprechen

Oh ja, Lauryn Hill würde aber sowas von die Welt rulen, dachte man zu dem Zeitpunkt. Was bitteschön sollte diese Frau denn jetzt noch aufhalten? Ihr Himmel voller Geigen hängend, schickte sich Miss Hill an, die Pop-Ikone des anbrechenden 21. Jahrhunderts zu werden. Eine schwarze Madonna, in einem Atemzug vielleicht sogar irgendwann genannt mit Soul-Göttin Aretha Franklin oder zumindest mit ihrem eigenen Vorbild, Whitney Houston? Der Weltstar Lauryn Hill – ein Versprechen, das nicht eingelöst wurde. Weil die frisch gekürte Königin auf ihrem vorgesehenen Thron leider nie Platz nahm.

Was macht eigentlich… Lauryn Hill?

Und immer, wenn man dann zufällig über einen ihrer alten Songs stolperte oder Tausendsassa Wyclef Jean mal wieder was Neues von sich hören ließ, fragte man sich: Verdammt, was macht eigentlich Lauryn Hill? Nun ja. Sich aus dem Business erstmal zurückziehen, sechs Kinder bekommen (davon fünf mit Rohan Marley, einem Sohn vom großen Bob). Alles schön! Leider las man aber auch über Eskapaden, Diva-Allüren, vergeigte Konzerte, verärgerte Fans, ein gescheitertes Projekt nach dem anderen, Steuerhinterziehung, Schulden beim Finanzamt, schließlich sogar drei Monate Gefängnis. Alles gar nicht schön! Sondern tragisch irgendwie. Absturz statt Legende, Klatschspalte statt roter Teppich für die „gefallene Königin des Musikgeschäfts“, wie der „Spiegel“ bedauernd schrieb. Und man selbst blätterte beinahe schon etwas fassungslos durch die Lauryn-Hill-Vinylscheiben im eigenen Plattenregal, die letzte datierend aus dem Jahre 2002.

Lauryn Hill Unplugged

Kommt da noch was?

Dieses vermeintliche Comeback mit ihrer auch schon für etwas Ratlosigkeit sorgenden, teils unter Tränen vorgetragenen akustischen MTV-Unplugged-Session: ewig her. Auf der Bühne tauchte die frühere Grande Dame des Neo-Soul zwar seither immer wieder auf – in offenbar stark wechselhafter Form. Auf ein neues Album von ihr oder gar den Fugees wartet man gleichwohl auch ein Vierteljahrhundert nach „The Score“ vergeblich. Und das Schlimmste: Man ertappt sich bei dem Gedanken, ob das nicht vielleicht auch besser so sein könnte.

  • Faktencheck:
    Titel: „The Score“
    Interpret: Fugees
    Label: Columbia/Ruffhouse
    Pressung: 1996
    Bezugsquelle: Plattenladen
    Genre: Hip-Hop & Co.
    Platz im Plattenregal: zwischen dem Fugees-Erstling „Blunted on Reality“ und Wyclef Jeans „The Carnival“
    Nerd-Faktor: in Kombination mit der Fugees-Debüt-LP und den Lauryn-Hill-Solosachen: solide
    Angeber-Faktor: zwar nur einer von 18 Millionen Albumbesitzern, aber Vinyl schlägt CD
    Musikalischer Anspruch: zeitlos hoch
    Anspieltipp: „Ready or not“
    Wert laut discogs.com: mit 30 Euro fürs Originalvinyl muss man schon rechnen, die jüngsten Nachpressungen gibt´s aber zum günstigeren Neupreis im Handel

 

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